Zum Inhalt springen


Rechtsanwalt Markus Kompa – Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, Köln
Blog zum Medienrecht


Wenn der Hahn zweimal kräht

Gestern hatte (qua Losentscheid) der amtierende hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) die erste Rede auf der Frankfurter StopWatchingUs-Demo gehalten bzw. dies versucht. Hahn war bei den meisten Demonstranten alles andere als willkommen, denn Hahn hat zu verantworten, was hier vor wenigen Wochen der Occupy-Bewegung widerfuhr. Auch scheint Hahn vergessen zu haben, dass die FDP Koalitionspartner der Bundesregierung ist. Würde in den USA eine ausländische Spionageeinrichtung bekannt, hätte ihr die US-Regierung längst den Strom abgedreht.

Dass Hahn seine Rede zu Ende hielt, obwohl diese von Trillerpfeifen und Buhrufen übertönt wurde, war sportlich – aber bewies auch die Medienkompetenz seiner Berater. Denn Hahn nutzte seine PR-Chance effizienter, man es erwartet hätte: Nach seiner Rede gab er den Kameras, die u.a. wohl wegen seiner Prominenz gekommen waren, abseits der Bühne ein Interview. Dieses Statement, das Tausendmal mehr Leute als auf dem Platz erreichte, wurde nicht gestört, da gerade ein anderer Redner dran war, dem die Leute aufmerksam zuhörten. Da sich die Presse auf die Hahn-Gaudi konzentrierte, waren die meisten Kameras auf Hahn fixiert und kümmerten sich nicht um den Piraten-Redner, der praktisch nur zu den Demonstranten predigte, die ohnehin seine Meinung teilten.

Auf diese Weise schaffte es Hahn in die Tagesschau, während die Piraten nicht einmal erwähnt oder nach ihrer Meinung gefragt wurden. Während die Leute mit den Trillerpfeifen auf dem Platz ihren Spaß hatten, hat publizistisch gesehen Hahn gewonnen, der das Spektakel nutzte, um die FDP als Datenschutzpartei zu profilieren. Der Piratenredner, dem Hahn die Show medial dann doch gestohlen hatte, war übrigens ich … Wie auch immer, ich hatte gestern im heißen Frankfurt sehr viel Spaß mit tollen Menschen, die Rückgrat haben. Respekt!

« Geheimdienstaffäre in Luxemburg: Was machte der „Spetzeldengscht“? – Lieber Herr Friedrich, heute dürfen Sie uns ausnahmsweise mal abhören »

Autor:
admin
Date:
28. Juli 2013 um 10:44
Category:
Allgemein,Medienmanipulation,Meinungsfreiheit,Politik,PR,Pressefreiheit,Überwachung
Tags:
 
Trackback:
Trackback URI

2 Comments

  1. Passaparole: Nur Diktaturen brauchen die Totalüberwachung – #STOPwatchingUS #neuland » AktiVisti MoVimento 5 Stelle Tedeschi

    […] “Wenn der Hahn zweimal kräht” von Markus Kompa / Frankfurt […]

    #1 Pingback vom 28. Juli 2013 um 18:16

  2. Links 2013-07-29 | -=daMax=-

    […] kanzlei kompa: Der hessische Justizminister Hahn hat in Frankfurt gezeigt, wie man korrekte Propaganda macht. […]

    #2 Pingback vom 29. Juli 2013 um 17:32

Kommentar-RSS: RSS feed for comments on this post.

Sorry, the comment form is closed at this time.