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Rechtsanwalt Markus Kompa – Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, Köln
Blog zum Medienrecht


Piraten-Amazonen in Bayern

Die bayrischen Piraten haben dieses Wochenende ihre Kandidaten für die Bundestagswahl aufgestellt. Spitzenkandidat wurde Bruno Kramm, obwohl er „Neupirat“ ist. Kompetenz ist bei den Piraten offenbar wichtiger als „Stallgeruch“. Auch bei der Wahl der anderen Piraten auf den aussichtsreichen Plätzen haben die Kollegen ein gutes Händchen bewiesen. Die Methoden der Piraten – Grillen, Wiki, Twitter usw. haben sich bewährt, die Schwarmintelligenz funktionierte letzten Endes.

Interessant war ein 79jähriger Bewerber, der am ersten Tag durch seine sympathisch-charismatische Art die Herzen der Piraten im Sturm eroberte und bei der Vorwahl trotz relativer Unbekanntheit den sensationellen Platz 4 erzielte. Über Nacht stellte sich allerdings heraus, dass der Bewerber für Astrologie und Homöopathie eintrat, was bei den Piraten so überhaupt nicht gut ankam. Als am Sonntag die Plätze verbindlich verteilt wurden, fiel der Bewerber komplett durch.

Unter den 90 letztlich angetretenen Bewerbern (bei der Vorwahl verbleibend noch 63) waren nur 4 Frauen. Sofern die mir plausibel erscheinende These zutrifft, dass Talente auf beide Geschlechter gleich verteilt sind, ist eine „Quote“ von 4,5 % (bzw. 6,3 %) der Bewerberinnen erklärungsbedürftig. Offenbar gibt es bei den bayrischen Piraten ein Klima, in dem Frauen ungern kandidieren wollen. Schade, ist halt so.

Aber weil das einigen Bayern noch nicht peinlich genug war, wurden dann auch noch die wenigen angetretenen Frauen mit der Frage konfrontiert, wie sie denn zur – bei den Piraten durchweg verpönten – Frauenquote stünden. Männern (bis auf angeblich eine Ausnahme) wurde diese Frage nicht gestellt. Es ist schon bemerkenswert, welche Prioritäten manche Mitmenschen haben; bei 4,5 % (6,3 %) Frauenanteil der Bewerber wirkt eine Quotenfurcht geradezu paranoid. Wenn sich Frauen quasi „rechtfertigen“ müssen, dass sie antreten, und man ihnen quasi eine Unterwerfungsgeste abnötigt, dann läuft irgendwas gewaltig schief. Der Gedanke, dass eine reine „Männerpartei“ möglicherweise auf 50 % der Wähler (ja, die Frauen dürfen hierzulande wählen und wollen vertreten werden) möglicherweise suspekt wirken könnte, scheint einige Piraten noch zu überfordern.

Auf die aussichtsreichen Plätze (1-6) schaffte es keine der Frauen. Dafür gelangten alle vier Bewerberinnen unter die Plätze 7-15. Angesichts der Bewerberinnenquote von 4,5 % (6,3 %) nicht unbedingt schlecht (insoweit 44% statt 4,8% bzw. 6,9%), auch bei Umrechnung auf die Top 15 waren damit die Frauen überdurchschnittlich erfolgreich (27% statt 6,3%). Vielleicht ist das ja ein Signal, dass Piratinnen in Bayern und anderswo ermutigt, selbst Verantwortung zu übernehmen. Dass man selbst unter Piraten, die nun mal gesellschaftlich eher unter „Fortschritt“ einzuordnen sind, noch im Jahre 2012 mit derartig provinziellen Problemen zu kämpfen hat, stimmt nachdenklich.

« Der Spion, der in den Bundestag wollte – Querelen in der Piratenpartei »

Autor:
admin
Date:
21. Oktober 2012 um 23:35
Category:
Allgemein,Internet,Politik
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1 Kommentar

  1. Quotessenz » Rechtsanwalt Markus Kompa

    […] BTW-Kandidatenaufstellung der Bayrischen Piraten hatte ich kritisiert, dass einige Herren die beim “Grillen” die inquisitorische Frage nach der Haltung zu […]

    #1 Pingback vom 31. Oktober 2013 um 14:36

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