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Rechtsanwalt Markus Kompa – Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, Köln
Blog zum Medienrecht


Der Kompa und das liebe Phi (6)

Folge 6: Dr. Phi und Mr. Hide


Phi, heute ein Latein- und Geschichtslehrer in Hamburg, hatte 1998 sein Werk Das Ende der Reparationen veröffentlicht. Immerhin befand es eine anonyme IP in Wikipedia-Artikeln, die auch offiziell der Wikipedia-Edit-Warrior „Phi“ bearbeitete, für eine reputable Quelle.

Jener Phi gleicht auch dem Lehrer bis aufs Haar und lebt nach eigenem Bekunden ebenfalls in Hamburg, wo er gleichfalls einer Vorliebe für Latein frönt. Als Lehrer hat man vormittags recht und nachmittags frei – eine Berufsgruppe, die daher besonders anfällig für das Besserwisser-Lexikon Wikipedia ist, denn da kann man den ganzen Tag und sogar am Wochenende recht haben – vorausgesetzt, man hat reichlich Zeit.

Ein Lehrer, erst recht ein promovierter, dürfte in der Wikipedia-Comunity großes Ansehen genießen, besteht selbige doch überwiegend aus ca. 30-Jährigen mit bis zu 14 Stunden Zeit für selbige – also Leuten, die nicht mit Beruf, Familie oder interessanteren Tätigkeiten ausgelastet sind, als dem kostenlosen Pflegen einer Datenbank. Soweit man es mir zugetragen hat, sind die eingefleischten Wikipedianer ansonsten durch die Bank weg Bummelstudenten oder Leute mit sozialen Problemen, die sie online kompensieren. Ein bekannter Wikipedianer, der sich jahrelang als Wikipedia-Autorität in Geschichtsschreibung gerierte, wurde kürzlich als Studienabbrecher enttarnt, der mit Mitte 30 noch im „Hotel Mutti“ wohnt. Wie der Einäugige, der unter Blinden König ist, so genießt dann wohl auch ein echter Philologe einen gehobenen sozialen Status unter den Wikipedianern. Seit Jahren besucht der Pädagoge eifrig den Wikipedia-Stammtisch Hamburg – der vielen als das Epizentrum wikipedianischer Intriganz gilt.

Phi ist sich meist persönlich zu schade für vulgären Schlagabtausch, sondern provoziert lieber als scheißenfreundlicher Schreibtischtäter, um bei kritischer Reaktion etwa seinen Stammtischbruder Herrn Peter Wuttke – Kampfname „Atomiccocktail“ – von der Kette zu lassen, dessen Kinderstube zu wünschen übrig lässt.

Herr Peter Wuttke gilt in der Wikipedia als sankrosankt: Er darf sich nahezu jeden Ton herausnehmen und bis aufs Blut provozieren, sogar offen drohen, ist schlichtweg ein Monument für das phänomenale Versagen der Adminpedia, die sich nicht an ihren eigenen Regeln messen lassen möchte. Macht jemand den Fehler, sich von Herrn Peter Wuttke provozieren zu lassen, wird dies von einem Admin zum Anlass genommen, den Kritiker mit Sperren und öffentlichem Tadel zu maßregeln. Für gewöhnlich gehört der sperrende Admin ebenfalls dem Hamburger Wikipedia-Mobbingstammtisch an. Besonders hervorgehoben hat sich insoweit der Hamburger Stammtischbruder „Minderbinder“, der dem Vernehmen nach ebenfalls ein Lehrer sein soll. Auch Admin „Mogelzahn“, hinter dem sich der Hamburger Anwalt und glücklose FDP-Funktionär Herr Claus-Joachim Dickow verbirgt, lässt es an hanseatischer Solidarität nicht fehlen.

Es ist beunruhigend, wenn Hamburger Pädagogen, denen man anvertraut hat, Kinder zu Persönlichkeiten zu erziehen, sich unter der Maske der (vermeintlichen) Anonymität dazu hinreißen lassen, sich über Jahre hinweg an Cyber-Mobbing zu beteiligen. Dem Autor dieser Zeilen war der philisterhafte „Phi“ 2007 das erste Mal aufgefallen, als dieser alle diejenigen, die an Oswald als alleinigem Täter des Kennedy-Mords zweifeln, als mehr oder weniger verrückt darstellte und etliche Sachargumente durch Löschungen etc. bekämpfte. Im Laufe der Diskussion stellte sich aufgrund von eklatanten Wissenslücken heraus, dass der Geschichtslehrer sich gar nicht mit der Fachliteratur zum Attentat befasst haben konnte. So durfte Phi u.a. beleglos behaupten, Zweifler an der Alleintäterthese seien „randständig“, während ihr die überwiegenden Autoren „dezidiert“ folgten – obwohl offensichtlich dramatisch das Gegenteil der Fall ist.

Trotzdem war die Meinung des dilettantischen Phi bei den Wikipedia-Klüngelern stets ausschlaggebend, während die Kritiker frei zum Abschuss gegeben waren. Wikipedia ist nicht dem Wissen verpflichtet, sondern dem Klüngel der Hamburger Dilettanten. Wenn man sich der Autorität des Lehrers nicht beugte, wurde eben der Artikel vollgesperrt, so dass der gewiefte Taktiker sein Ziel des Besserwissens stets erreichte. Kafka lässt grüßen.

Seit Ende der 90er Jahre ist Phis Position, Kennedy sei durch Oswald erschossen worden, nicht einmal die „offizielle Version“. Oswald wurde nie als Täter vernommen, hatte nie einen Anwalt und sprach in eine TV-Kamera, er solle lediglich zum Sündenbock gemacht werden. Einen Tag später wurde Oswald erschossen. Zur „Leichenschändung“ fühlt sich der Geschichtslehrer berufen, der vom Kennedy-Fall keine Ahnung hatte, davon aber jede Menge.

Das Schulmeisterlein mag privat seine laienhaften Ansichten zum Kennedy-Mord pflegen und öffentlich äußern. Wenn er jedoch eine neutrale Darstellung in der Wikipedia blockiert und zensiert, dann sabotiert er die öffentliche Meinungsbildung in einer Weise, die einem Geschichtslehrer im gehobenen Dienst schlecht zu Gesicht steht. Man kann sich einen Reim darauf machen, wie er seinen Schülern gegenüber agiert, über die ihm Macht verliehen wurde.

Kurz zum Warren-Report:

Entgegen dem Willen der Regierung Johnson wurde ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zur Untersuchung des nicht polizeilich aufgeklärten Kennedy-Mords eingesetzt. Leiter war war Richter Warren, vormals ein Mitglied des (Kennedy-kritischen) Ku Klux Klan. Dominiert wurde der Ausschuss von CIA-Gründer Allen Dulles, der seit Jahrzehnten entsprechende Ausschüsse verhinderte, belog oder manipulierte. Statt die Untersuchung auf die CIA auszudehnen erfand Dulles die „Alleintäter-Theorie“, obwohl diese nicht zu den Spuren passte. Kennedy-Hasser FBI-Chef Hoover enthielt der Kommission wesentliches Material vor. Zwei Kommissionsmitglieder widerriefen später ihre „Schlussfolgerungen“.

Die Warren-Kommission war keine juristische Kommission, sondern eine politische. Da Oswald sowohl mit der Sowjetunion, als auch mit Castro in Verbindung gebracht werden konnte, war es ein Jahr nach der Kuba-Krise politisch nicht zu verantworten, das Attentat einem außenpolitischen Gegner, oder aber Kreisen von Militär und CIA anzulasten.

Das Pentagon war seinerzeit mit den Kennedy-Brüdern verfeindet. Die Generäle, namentlich Lemnitzer, LeMay und Anderson hatten mehrfach versucht, Kennedy zum atomaren Angriffskrieg auf Kuba sowie auf die Sowjetunion zu drängen. Aus dem freigegebenen Northwoods-Dokument folgt, dass die Militärs bereit waren, irgendwelche Anlässe zu instrumentalisieren oder gar zu inszenieren, um sie als Vorwand für ihre geplanten Kriege gegen Kuba und Sowjetunion zu benutzen.

Man mag von Präsident Johnson und CIA-Begründer Dulles halten, was man will, aber außenpolitisch wäre es verantwortungslos gewesen, Raum für eine Interpretation des Kennedy-Mords als kommunistisches Attentat zu lassen. Innenpolitisch hätte es die USA, die damals schon allein insbesondere vom Rassenkonflikt gespalten waren, zweifellos zerrissen, wäre augenfällig geworden, dass der Kennedy-Mord unübersehbare Spuren zu Militär und Geheimdienstwelt aufwies. Texanische Industrielle, ultrarechtsgerichtete Südstaatler sowie Exilkubaner und die von den Kennedys nachhaltig bekämpften Mafiosi hatten beiden offen den Tod gewünscht, die Militärs und zahlreiche CIA-Leute hassten sie bis aufs Blut.

Die Warren-Komission hatte politisch keine andere Wahl, als das Angebot zu nutzen, den offensichtlich als Inside-Job durchgeführten Mord einem scheinbar durchgeknallten Einzeltäter zuzuschreiben. In den 70ern meldeten der Church-Ausschuss sowie ein eigens gegründeter Attentatsausschuss massive Zweifel an der Arbeit der Warren-Komission an. Dass Oswald keineswegs Kommunist war, sondern im Gegenteil zur ultrarechten Szene gehörte und einen geheimdienstlichen Hintergrund hatte, sollte die Öffentlichkeit erst Jahrzehnte später erfahren, als ein Spielfilm nach Ende des Kalten Kriegs das Interesse am Kennedy-Mord erneut entfachte. Ein Ausschuss des US-Kongresses kam in den 90ern zu dem Schluss, dass das Attentat unmöglich von einem Einzeltäter hatte ausgeführt werden können, die Schlussfolgerungen der Warren-Komission unhaltbar waren, bereits deren Material schlicht unbrauchbar war.

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Autor:
admin
Date:
25. September 2011 um 22:55
Category:
Allgemein,Internet,Medienmanipulation,Medienrecht,Meinungsfreiheit,Persönlichkeitsrecht,Politik,Zensur
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1 Kommentar

  1. Die dunkle Seite der Wikipedia: Wie Kopilot/Jesusfreund und Co. 9/11-Artikel säubern | Machtelite

    […] die Deutungshoheit bezüglich des 11. September 2001 agieren seit vielen Jahren die Edit Warriors Phi, sowie Kopilot, der bis 2011 unter dem Pseudonym Jesusfreund schrieb und sich 2005 als Gerhard […]

    #1 Pingback vom 23. Dezember 2015 um 22:34

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