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Rechtsanwalt Markus Kompa – Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, Köln
Blog zum Medienrecht


Wikimedia-Geschäftsführer verteidigt Relevanzkriterien im Interview

Der Geschäftsführer von Wikimedia Deutschland gab der Neuen Osnabrücker Zeitung ein lesenswertes Interview zur Wikipedia-Debatte. Offenbar hat man inzwischen erkannt, dass die Wikipedia nicht nur Autoren hat, sondern auch Leser. Und dass diese Leser eine eigene Vorstellung davon haben, was sie in einer interaktiven Online-Enzyklopädie lesen wollen, sich inzwischen massiv zu Wort melden. Soweit scheint die Botschaft angekommen zu sein.

Beim eigentlich spannenden Punkt, nämlich dem Zensurvorwurf, schwächeln die Erkenntniskräfte:

„Und dann gibt es aber noch eine zweite Sperre, das ist die sogenannte Vollsperre. Hier kann auch ein angemeldeter Benutzer nicht mehr in dem Artikel editieren, das heißt der Artikel ist komplett für Bearbeitungen gesperrt. Hintergrund: Wenn es massive Meinungsverschiedenheiten um einen Inhalt gibt und beide Seiten probieren, ihre Meinung durchzusetzen, dann kann der Artikel kurzfristig gesperrt werden, bis das Thema durch Diskussion geklärt wurde.“

„Kurzfristig“? Was meint er wohl damit? Sicherlich nicht die permanente Sperrung  des Artikels zum Kennedy-Mord, wo unser oberster Attentats-Deuter Phi seine Macht des kleinen Mannes auslebt, wo der weise Verkünder Atomiccocktail („Denn sie wissen nicht, was Wikipedia ist“) seine schlechte Kinderstube ausbreitet und wo die Admins Pjacobi und Mogelzahn Richter spielen, wobei sie verschweigen, dass die von ihnen regelmäßig begünstigte Partei Phi dem gemeinsamen Hamburger Wikipedia-Stammtisch angehört. (Mogelzahn hatte ich übrigens gestern zufällig enttarnt! Klickt man beim Foto des Landgerichts Hamburg auf den Namen des Fotografen Claus-Joachim Dickow, so gelangt man zum Hamburger Wikipedia-Stammtischbruder Mogelzahn … Tja, mogeln will gelernt sein!)

Das Wort „Zensur“ mag er nicht gelten lassen:

„Der Begriff Zensur geht aus meiner Sicht schon am Thema vorbei, weil es keine zentrale Institution gibt, die zensieren könnte. Hier handelt es sich in allen Fällen um die Entscheidung der Community und das Ergebnis von Diskussionen.“

Im genannten Beispiel „Kennedy-Mord“ heißt dies Community „Phi“. Das Ergebnis von Diskussion ist, das diese ignoriert und widerlegte Falschbehauptungen trotzig aufrecht erhalten werden, etwa die Wahnvorstellung Phis, der Mehrheit der Autoren zum Attentat folge „dezidiert der Alleintäterthese“ und andere Meinung hätten als „randständig“ zu gelten, weshalb sie aufgrund irgendeiner Wiki-Regel nicht im Artikel zu erwähnen seien. Enzyklopädischer Totalschaden!

Auf die Kritik der Interviewerin „Derjenige, der diese Diskussion als Administrator zusammenfasst und auswertet, der interpretiert ja auch.“ antwortet der Wikimedia-Mann:

„Es geht hier ausschließlich um das Löschen von Artikeln.“

Huch? Hat er noch immer nicht begriffen, dass die Lösch-Debatte nur eine Facette des weitaus fundamentaleren Community-Problem der Wikipedia ausmacht?

Angesprochen auf das Problem der PR-Manipulationen relativiert er und beschwört die Selbstreinigungskräfte der Wikipedia.

„Sie brauchen gar kein trojanisches Pferd, um reinzukommen.“

Was der gute Mann jedoch verschweigt, ist die inzwischen gut belegte Tatsache, dass Leute aus dem Wikipedia-Umfeld solche PR-Dienstleistungen sogar anbieten. (Auch hier stoßen wir wieder auf den Namen eines geschätzten Hamburger Wikipedia-Stammtischbruders …)

Politiker kommen im Allgemeinen damit durch, Probleme zu marginalisieren und auszusitzen, bis die Presse keinen Spaß mehr am Thema hat. Ob solche Ignoranz in einer interaktiven Community auch funktioniert, bleibt abzuwarten.

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Autor:
admin
Date:
22. Dezember 2009 um 13:08
Category:
Allgemein,Internet,Medienmanipulation,Medienrecht,Meinungsfreiheit,Zensur
Tags:
 
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