Folge 4: Die Prätorianer des mächtigen Phi
Was bisher geschah:
Folge 1: Wie das Wikipedia-Drama begann …
Folge 2: Das friedfertige Phi
Folge 3: Codename Phi
Zwanzigstes Kapitel Machiavelli: Ob die Festungen und viele andere Dinge, die Fürsten öfters unternehmen, nützlich, oder schädlich sind.
Die im Sommer 2007 begonnene Kontroverse war ernst. Immerhin ging es um Mord! Da blockierte ein extrem sendungsbewusster, jedoch praktisch unbelesener Alleintäterthese-Fundamentalist den Eintrag zum Mord des Jahrhunderts, über den es seit 44 Jahren eine Vielzahl an Büchern und Dokumentationen gibt, und die Admins ließen sein faktenfreies Zensieren gewähren, unterstützten ihn im Gegenteil sogar, ergriffen offen für ihn Partei. Was war hier los?
Die Ignoranz, welche mir da aus dem Internet unverhohlen entgegen schlug, die Penetranz, mit welcher Edit-Wars zur Durchsetzung der evident subjektiven Meinung aufgedrängt wurden, die Zensur, die in dem kollektiven Graswurzel-Projekt Wikipedia Platz griff, das fuchste mich schon gewaltig. Wie konnte es sein, dass ein einziger Besserwisser so dilettierte und andere behinderte?
Zehntes Kapitel Machiavelli: Nach welchem Maßstab die Kräfte aller Fürstentümer zu messen sind
Ich hatte die Sache damals so ernst genommen, dass ich zum Jahresende ungelogen nicht weniger als drei (!) Zahnarzttermine verpasste, weil ich mich in meiner Freizeit mit Phi stritt, ohne auf die Uhr zu gucken … Spätestens beim dritten verpassten Zahnarzttermin fragte ich mich, ob ich den Streit nicht vielleicht ein bisschen zu ernst nehmen würde. Aber andererseits stand hier der Glaube an die Ernsthaftigkeit des Projekts Wikipedia auf dem Spiel. Es war mir den Streit definitiv wert. (Eine andere Geschichte ist, dass ich dann im Januar in einer Notoperation zwei Wurzelbehandlungen bekam …)
Doch wie schon mehrfach bemerkt, das Spiel war von Anfang an abgekartet gewesen. Ironischerweise war ich seinerzeit ausgerechnet der führende Editor des Wikipedia-Artikels zum Falschspiel gewesen …
Nun ging also auf einmal das Spielchen “Sperre” los. Wer die Kompetenz des erweislich inkompetenten Phis infrage stellte, dem wurde einfach der Saft abgedreht. Hallo? Hatte ich denn Kraftausdrücke verwendet? War meine Meinungskundgabe denn nicht vielmehr deutlichst angezeigt?
Sechstes Kapitel Machiavelli: Von den neuen Fürstentümern, die man durch eigene Waffen und Tugend erwirbt
Ich erkannte die Sinnlosigkeit von Diskussion und Ausbau der vorhandenen Artikel. Da man mit dem Totschlagargument “Theoriefindung” alternative Deutungen des Kennedy-Mords als Lemma-fremd denunzierte, versuchte ich einen Fork. Über Nacht präsentierte ich der Wikipedia einen neuen Artikel, der da hieß “Kreuzfeuer-Theorie”. So nannte sich das Buch des Autors Jim Marrs, auch Jim Garrison hatte sie so bezeichnet.
Das Phi hielt sich diesmal vornehm zurück.
Zwölftes Kapitel Machiavelli: Wie viele Arten der Miliz es gibt, und von den Mietsoldaten.
Stattdessen trat plötzlich eine Person in mein Leben, die ich mal höflich als den “Geiferer” bezeichnen möchte. Der Geiferer pflegte eine unmögliche Ausdrucksweise, befleißigte sich der Gossensprache und legte eine so vulgäre Impertinenz an den Tag, dass ich mir schon beinahe das Phi als Gesprächspartner zurückwünschte, denn das konnte ja wenigstens Höflichkeit heucheln.
Ich glaube, es war der Geiferer gewesen, der den Löschantrag stellte. Mir war bis dahin die Löschpraxis weitgehend unbekannt, insbesondere der raue Ton, der bei den in der Wikipedia so beliebten Löschdiskussionen herrscht. Mein mit viel Liebe zum Detail gefertigter Entwurf zur Kreuzfeuer-Theorie, die von etlichen Autoren vertreten wird, wurde völlig unsachlich zerpflückt. Man argumentierte, dass das ja wieder Verschwörungstheoretiker anziehen würde usw.
Fünfzehntes Kapitel Machiavelli: Von denen Dingen, die den Menschen, und namentlich den Fürsten, Lob oder Tadel zuziehen.
Ich wusste nicht, wie mir geschah. Was hatten diese seltsamen Vorgänge denn noch mit der Wikipedia zu tun? Oder gar mit Wissenschaft? Oder dem, was man “Anstand” nennen könnte?
Einundzwanzigstes Kapitel Machiavelli: Wie sich ein Fürst benehmen muß, um sich Ansehen zu verschaffen.
Auf meiner Benutzerseite fing der Geiferer in übelster Weise an, zu pöbeln. Nachdem ich anfangs noch versucht hatte, mit diesem Menschen zu kommunizieren und sein Problem zu ergründen, begann ich ihn schnell zu ignorieren, jedoch von meiner Benutzerseite zu löschen, wo ich glaubte, ein Hausrecht zu haben. Doch der aufdringliche Zeitgenosse revertierte meine Hygienemaßnahmen und geiferte in einer Weise, bei der ich damals rätselte, warum kein Admin von sich aus eingriff. Ich selbst wollte mich an Kindereien wie “Petzen beim Admin” nicht beteiligen.
Heute weiß ich, dass der Geiferer zum Hochadel der Wikipedia-Community gerechnet werden darf. Er verkehrt in einem “Club der Enzyklopen” oder so ähnlich, der sich pseudo-selbstironisch als elitäre Seilschaft empfindet. Doch den Geiferer umgab noch manch anderes Geheimnis …
Der Löschantrag wurde regelgemäß eine Woche lang diskutiert. Diese Prozedur empfand ich als ziemlich entwürdigend, doch ich stellte mich sportlich der Herausforderung. Ich war gewiss, dass Berechtigung und Qualität des Beitrags sich durchsetzen würden. Nach Ablauf der Woche wurde der Artikel einfach kommentarlos gelöscht – vom Geiferer, der als Nicht-Admin gar keine Berechtigung hierzu hatte.
Ich hatte verloren, ausgerechnet gegen Falschspieler. Der Geiferer gesellte sich erneut auf meine Benutzerseite und machte den wohl Fehler seines Lebens: Er redete zu viel. Zunächst dozierte mir der Geiferer altklug, warum ich verloren hatte, und ich musste ihm sogar recht geben: Er erklärte mir, man müsse bei solchen Sachen genügend Leute hinter sich bringen, was ihm offenbar gelungen sei. So lief es also.
Die Sache widerte mich an. Wie konnte ich mich nur in so schlechte Gesellschaft begeben haben?
Zweiundzwanzigstes Kapitel Machiavelli: Von den Sekretären der Fürsten.
Ich äußerte schließlich den Verdacht, es handele sich beim Geiferer offensichtlich wohl um eine Sockenpuppe meines auffällig stillen Widersachers Phi, das sich vom Feldhügel aus feige an meiner Niederlage weidete. Was mir aufstieß, war die stillschweigende Billigung der vulgären Pöbeleien des Geiferers. Eigentlich hätte einem kultivierten, lieben Phi doch die primitiven Attacken höchst unangenehm sein müssen. Ich hielt es daher für logisch, dass der Geiferer eine Mr. Hyde-Sockenpuppe des Dr. Jekill-Phi sein dürfte.
Dreiundzwanzigstes Kapitel Machiavelli: Wie man die Schmeichler fliehen müsse.
Doch der eitle Geiferer fühlte sich an seiner Geiferer-Ehre gepackt. Er legte offenbar Wert auf meinen Respekt. Er hätte dieses aussichtslose Ziel besser aufgegeben, denn in seiner Empörung machte er den Fehler, zu geschwätzig zu sein. Er bewies seine Verschiedenheit von Phi, in dem er mir den Link zum Wikipedia-Stammtisch Hamburg schickte. Da saßen sie also, meine ganzen Widersacher, und trafen sich einmal im Monat, um auf die Niederlagen ihrer Gegner anzustoßen. Besonders widerte mich an, dass dort auch einige Admins feierten, die ich in den letzten Monaten als ernsthafte Ansprechpartner zur Streitschlichtung angesehen hatte. Etwa der früher von mir geachtete Herr “Mogelzahn”, der Kritik an Phi nicht schätzte. Oder der Herr “Pjacobi”, der sich als “Unbeteiligter” ausgegeben hatte.
Erst jetzt begriff ich, was die ganze Zeit los gewesen war. Warum sich irgendwelche Herrschaften auf einmal an Sprüchen auf meiner Benutzerseite störten usw. Als ich meine Entdeckung der Hamburger Clique öffentlich machte, reduzierte sich die Anzahl der Hamburger Admins, die mich gängelten, schlagartig auf 0.
Stattdessen schickte man nun die Außendienstler.
Achtes Kapitel Machiavelli: Von Solchen, die durch Freveltaten zum Fürstentum gekommen sind.
Ich weiß nicht mehr genau, wann es genau war, aber eines Tages tauchte eine Person namens Marcus Cyron auf meiner Benutzerseite auf. Cyron ergriff Partei für – na, wen schon? – das Phi. Cyron schnaubte mich in einem Ton an, dass ich definitiv nicht den Eindruck hatte, mit einem ernst zu nehmenden menschen zu kommunizieren und löschte die Pöbelei.
Prompt erfolgte ein neuer Eintrag. Sowie die Mahnung, mein Kainsmal ja nicht zu löschen, denn
“Ich bin hier als Admin unterwegs.”
Außerdem bezweifelte er eine Behauptung, die ich über das Phi aufgestellt hatte.
“Wenn das nicht stimmt, dann hast du Ärger.”
Mir verschlug es die Sprache. So ein ungehobeltes Subjekt, dessen Selbstdisziplin und Kommunikationsfähigkeit mehr als zu wünschen übrig ließen, war tatsächlich zum Admin aufgestiegen? Ich konnte es nicht fassen.
Heute weiß ich, dass Cyron zur Kardinalsriege in der Wikipedia gehört. Im Rahmen des aktuellen Streits um die Relevanzkriterien bin ich ihm an verschiedenen Stellen wieder beobachtend begegnet. In jedem zweiten Beitrag lässt er einen Kraftausdruck fallen. Es war für mich nicht ansatzweise nachvollziehbar, wie man einen solchen Menschen die Kompetenz zur öffentlichen Kommunikation zubilligen konnte. Aber dass man sich so einem Subjekt unterordnen und sperren lassen musste, war schon mehr als demütigend.
An eine Entschuldigung für Cyrons Unterstellung, ich hätte mich wahrheitswidrig über Phis Untaten geäußert, kann ich mich nicht erinnern. Wenn es stimmt, dass Admins nur Benutzer mit ein bisschen mehr Rechten wären, so kannte ich auch keine Regelung, weshalb ich mich auf meiner Benutzerdiskussionsseite wie am Pranger denunzieren lassen musste.
Vierundzwanzigstes Kapitel Machiavelli: Warum die Fürsten Italiens ihre Staaten verloren haben.
Ich hatte nun realisiert, dass ich mich unter Proleten befand, die von Proleten und Feiglingen ohne Rückgrat kontrolliert wurden. Ich fühlte mich verraten. Sogar auf meiner Benutzer- und Benutzerdiskussionsseiten wurde zensiert. Ich, der Anwalt, der sich gegen Pressemaulkörbe einsetzt, wurde zensiert und eingeschüchtert!!!
Marcus Cyron erinnerte mich an diese Figur in den “Anhalter”-Romanen von Douglas Addams, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht hatte, jedes Lebewesen in der Galaxis einmal im Leben zu beleidigen. Da Anhalter-Figuren in der deutschen Wikipedia als nicht relevant gelten, kann ich leider im Moment nicht mit dem Namen der Figur dienen.
Cyron schnaubte seit Jahren durch die Wikipedia wie ein Stier, ohne die geringsten Sympathiepunkte zu sammeln – außer vielleicht bei seinen reaktionären Freunden, die ich hier besser vernachlässigen möchte. Cyron markierte für mich endgültig, dass die Wikipedia auf den Hund gekommen war.
Sechsundzwanzigstes Kapitel Machiavelli: Ermahnung, Italien von den Barbaren zu befreien.
Spätestens mit der Bekanntschaft des Herrn Cyron (der heute übrigens aus irgendeinem Grunde kein Admin mehr ist …) war mir klar geworden, dass die Wikipedia und ihre Admins unmöglich mehr ernst genommen werden konnten. Also verabschiedete ich nach etlichen Jahren von der Mitarbeit. Aber vorher wollte ich es noch krachen lassen und die Herrschaften gehörig provozieren.
Siebzehntes Kapitel Machiavelli: Von der Grausamkeit und Milde, und ob es besser ist, geliebt, oder gefürchtet zu werden.
Ich wollte herausfinden, wie weit Meinungsfreiheit in der Wikipedia geht. Was darf man sich rausnehmen? Bereits auf meiner Benutzerseite hatte ich provoziert, in dem ich dort zwar den medialen Verbreitungsgrad der Wikipedia als Faktum anerkannte, sie jedoch für eine Missgeburt hielt. Außerdem stand da
Dieser Benutzer mag keine Benutzer, die er sich wie Ned Flanders vorstellen muss und ignoranten Admins.
Während meiner aktiven Zeit war mir dieses Zähnezeigen offenbar zugebilligt worden. Doch nachdem es mit Sachdiskussion nicht gefruchtet hatte, interessierte mich, wie denn das System Wikipedia auf eine provokante Satire reagieren würde. Satire ist etwas, was die meisten totalitären Systeme überfordert. Als Kenner der Rechtsprechung, die Satire zumindest außerhalb des Landgericht Hamburgs einen sehr breiten Spielraum einräumt, interessierte mich, wie hoch der kulturelle Selbstanspruch in der Adminpedia gehalten wird.
Neunzehntes Kapitel Machiavelli: Daß man vermeiden muß, geringgeschätzt und gehaßt zu werden.
Also verfasste ich auf meiner Benutzerdiskussion eine bewusst grenzwertige Satire, in welcher der Streit um den Kennedy-Mord selbstironisch mit den Mitteln des Kennedy-Mordes ausgetragen wurde. Opfer sollte eine fiktive Person namens “Pfui” sein. Pfui bekam einen Bauchschuss wie Oswald und einen Kopfschuss von vorne wie Kennedy – wobei ich heuchelte, der wäre ja wohl von hinten gekommen. Einer Parodie des Geiferers ordnete ich die Rolle des Sündenbocks zu und brachte ihn mit einem erschlichenen Handabdruck, einem gefälschten Bild mit ihm und der Mordwaffe sowie mit einer ominösen Fahndungsmeldung wie seinerzeit Oswald in einen falschen Verdacht. Ich hatte sogar auf Dokumentationen zum Kennedy-Mord verlinkt, welche diese meines Erachtens falschen Verdachtsmomente entkräfteten. Die Geiferer-Parodie versuchte sich der Polizei gegenüber vergeblich, durch Zeigen auf mich, auf einem Grashügel sitzend, zu entlasten, doch ich versteckte mich hinter einem Bretterzaun, sodass die Polizisten weder ihn, noch die Zeugen ernst nahmen. Als Schauplatz meiner grotesken Satire hatte ich den Platz vor dem Clubtreffen des Hamburger Wikipedia-Stammtisches gewählt. Diese Leute sollten sich bei ihrer Konspiration ertappt fühlen. Und das Phi sollte wissen, dass ich zwar gehen würde, aber erhobenen Hauptes, und dass ich ihm und den seinen durch meine Satire die so gewünschte Autorität nehmen würde.
Fünfundzwanzigstes Kapitel Machiavelli: Wie viel in menschlichen Dingen das Glück vermag, und auf welche Weise man ihm begegnen könne.
Demonstrativ beantragte ich meine eigene Sperre und machte sogar selbst die Admins auf meinen Streich aufmerksam.
Wie würden wohl die Gremien im Wikipedia-Universum reagieren? Würden sie sich fragen, was denn der Typ für ein Problem hat? Würden sie in der Versionsgeschichte die Admin Abuses recherchieren? Würden sie den Hilfeschrei eines verzweifelte, jahrelang friedlichen Benutzers erkennen? Würde jemand mit mir ein Gespräch führen wollen? Würde meine Provokation, welche die Wikipedia-Unsitte des Sperrens ad absurdum führte, bei irgendjemandem einen Denkprozess auslösen? Würde jemand gar mein kalkulierte Provokation als solche erkennen, die gegenüber dem reaktionären Gegeifere meiner Peiniger um mindestens Äonen erhabener waren?
Ein mir unbekannter Admin sperrte ohne die geringste Rücksprache meinen Account kommentarlos.
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Animal Farm Reloaded – Der Kompa und das liebe Phi (3) » Rechtsanwalt Markus Kompa
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#1 Pingback vom 21. September 2011 um 12:51