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Rechtsanwalt Markus Kompa – Fachanwalt für Urheber- und Medienrecht, Köln
Blog zum Medienrecht


PR-Kontrolle in Interviews

ZAPP (NDR) hat eine aufschlussreiche Bestandsaufnahme über das Filtern von Interviews gebracht.

Auch, wenn ich mich überwiegend als Feind von Medienmanipulation sehe, übernehme ich heute mal die Rolle des advocatus diaboli:

Allein dieses Jahr hatte ich wieder Erfahrungen mit der Presse gemacht, die man nicht anders als Katastrophen bezeichnen kann. So hatte ich zu einer Beteiligung an einer TV-Show einen positiven Pressetext versandt, worauf ich von einer Journalistin angerufen wurde. In einem ca. halbstündigen Telefonat beantwortete ich Rückfragen, insbesondere auch eine zu negativen Kritiken an der Show, die ich als „Hintergrundgespräch“ auffasste. Dass aus dem überraschenden Telefonat überhaupt wörtlich zitiert werden würde, war mir in keiner Weise bewusst gewesen – was sich als reichlich naiv herausstellen sollte.

In dem Artikel nun wurden praktisch nur O-Töne dieser letzten Antwort verwendet, wobei die Frage nicht auftauchte. Das ganze sah jetzt so aus, als hätte ich die Presse angerufen, um gegen die Show zu wettern und meine Freunde in die Pfanne zu hauen. Dies war natürlich mehr als peinlich, gehörte ich doch am Abend zu den Publikumsgästen der Live-Show.

Dieser Faux Pax hätte mich beinahe eine Freundschaft gekostet, und meine Wut auf die Presse war in diesen Tagen grenzenlos. Aber ich musste schließlich den PR-Leuten recht geben, dass es „out of the record“-Gespräche mit der Presse im richtigen Leben nicht gibt – mag das auch presserechtlich völlig anders sein, wo man das Recht auf Editieren von Interviews hat – theoretisch. Journalisten picken sich grundsätzlich nur das Negative heraus, denn in Kontroverse interessiert mehr als Harmonie.

Im Zusammenhang mit dieser Show machte ich auch die Erfahrung, dass etwa die Lokalpresse ungern PR-Fotos druckt. Was nach vermeintlich ehrenwertem journalistischen Handwerk aussah, hatte in Wirklichkeit den verschwiegenen Hintergrund, dass der Pressemann für sein Foto zusätzliches Honorar bekam. Im Gegensatz zu den machohaften PR-Fotos meines Mandanten sah dieser auf dem beim Interviewtermin aufgenötigten Pressefoto wie ein kleiner Junge beim Kindergeburtstag aus.

Wir zogen aus diesen Katastrophen die Konsequenz, die PR meines Mandanten soweit irgendwie möglich zu kontrollieren. Soll die Presse ggf. in Shows live fotografieren, Posieren aber ist nicht mehr drin. Interviews gibt es gar keine mehr, wenn die ohnehin schreiben, was sie wollen. Und auch bei sonstiger Kommunikation jeglicher Art wird von unserer Seite kein einziges negatives Wort mehr fallen.

Es ist halt wie beim Datenschutz: Das funktioniert im Endeffekt nur, wenn man bereits die Entstehung irgendwelcher unliebsamen Informationen vermeidet. Wer geschwätzig ist und dann vor den Kadi zieht, hat in Wirklichkeit meistens schon in der PR verloren.

Um auf den ZAPP-Beitrag zurückzukommen: Im Show-Geschäft halte ich PR-Kontrolle am ehesten für legitim, denn Showbiz ist nun mal nichts anderes als der Handel mit Illusionen. Hier wird eine Nachfrage bedient, und das tut den wenigsten weh. Ungleich wichtiger ist die Kontrolle politischer PR. Und da laufen die Dinge ungleich subtiler.

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Autor:
admin
Date:
26. Juli 2009 um 23:19
Category:
Allgemein,Medienrecht,Persönlichkeitsrecht,PR,Zensur
Tags:
 
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